Lehrstuhl für Chemie

Letzte Änderung: 30.12.2015 00.45
NameLehrstuhl für Chemie
ReferatsleiterVincze Zoltán
Anschrift1078 Budapest István u. 2.
Sende-Adresse1400 Budapest Pf. 2
Telefon+361 478 4176
Fax+361 478 4268
Durchwahl+361 478 4100 / 8480
StelleGebäude C Erdgeschoss

Geschichte

Geschichte des Lehrstuhls für Chemie

Der regelmäßige Chemie-Unterricht als Grundlage der naturwissenschaftlichen Grundausbildung fing in unserem Institut 1857 an. Die Grundbegriffe der Chemie wurden vom Adjunkt Márton Galambos (1820-1872) im Rahmen von Kursen auf ungarischer und deutscher Sprache vorgetragen. Nach dem Tod von Galambos setzte Lajos Thanhoffer (1843-1909), der Professor für Physiologie, den Chemie-Unterricht fort. Darauf ernannte der Kultusminister Ágoston Trefort Leó Liebermann (1852-1926), Doktoren der Medizin und Privatdozenten, zum Leiter des neu gegründeten Lehrstuhls für Chemie (1879). Damit verwirklichte er die Vorstellungen von Károly Than, der Leitfigur von großer Autorität der ungarischen Chemie.
Leó Liebermann, ein herausragende Persönlichkeit der ungarischen Biochemie, Immunchemie, Gesundheitslehre, Lebensmittelhygiene und Gesundheitspolitik, schloss sich schon als namhafter Chemiker der Tierarztausbildung an. Er wurde im Alter von 23 Jahren (1875) von der Universität Innsbruck zum Privatdozent der medizinischen Chemie ernannt. Nach seiner Rückkehr nach Ungarn wurde er mit der Organisation und Leitung des staatlichen Instituts für Chemie und der Abteilung für chemische Versuche beauftragt. Dadurch erhielt der Lehrstuhl neben der Bildung auch in der chemischen Forschung landesweite Befugnisse und eine leitende Rolle. 
Seine Tätigkeit als Professor der Chemie umfasste zahlreiche Fragen der allgemeinen, anorganischen, analytischen und organischen Chemie. Am bedeutendsten ist jedoch seine bahnbrechende Tätigkeit auf dem Gebiet der medizinischen Chemie, d. h. der Biochemie. Seine für den Nachweis von Proteinen erarbeitete chemische Reaktion (Liebermann-Probe) wird auch heute noch verwendet. Er untersuchte die Säuren, Basen und Salz bindenden Fähigkeiten der Proteine, den Nachweis der Enzyme und viele andere Fragen - zum Teil mit seinen Studenten. Neben diesen Untersuchungen ist seine Methode, die er zur elektrometrischen Bestimmung der Wasserstoffion-Konzentration entwickelte, besonders hervorzuheben, die von ihm in die Biochemie eingeführt wurde.
Liebermann veröffentlichte zusammen mit seinem Schüler István Bugarszky das Lehrbuch „Chemia“ (1900), das in weiteren Auflagen herausgegeben wurde. Auch andere Bücher erschienen von ihm z. B. in deutscher Sprache die „Grundzüge der Chemie des Menschen“ (1880); „Tabellen zur Reduktion der Gasvolumina“ (1882); „Die chemische Praxis“ (1883), alle in Stuttgart.
Liebermann erntete weit verbreitete Anerkennung durch seine erfolgreiche Tätigkeit. Schon recht früh, im Alter von 43 Jahren wurde er mit dem Titel königlicher Rat ausgezeichnet, zahlreiche seine Schüler wurden berühmte Wissenschaftler. Trotz aller seiner Erfolge erreichte Liebermann auf der akademischen Rangleiter nur den Titel eines außerordentlichen Professors i.R. an der veterinärmedizinischen Akademie. Diese Tatsache war ausschlaggebend dafür, dass Liebermann das Erbe von József Fodor, dem Professoren für Gesundheitslehre, nach dessen Tod (1895) antrat. Nach dem Tod von Leó Liebermann wurde einer seiner Schüler, István Bugarszky, mit der Leitung des Lehrstuhls beauftragt.
István Bugarszky (1868-1941), Doktor der Geisteswissenschaften, arbeitete früher als Hilfslehrer neben Liebermann und erwarb weitgehende Erfahrungen in der Unterrichtspraxis. Er unterrichtete ab 1902 neben Chemie und chemische Übungen auch physikalische Chemie. Bugarszky wurde im Schuljahr 1906/07 zum stellvertretenden Rektor gewählt.
Er beschäftigte sich während seiner Forschungen vor allem mit Fragen der Reaktionskinetik. Als erster erreichte er wichtige Ergebnisse bei der experimentalen Bestimmung der freien Energie, später lieferte er den experimentalen Beweis der Unhaltbarkeit der Thomson-Berthelot-Theorie. Sowohl einheimische als auch ausländische Lehrbücher anerkennen die Bedeutung dieser Entdeckung. Er stellte in Experimenten den amphoteren Charakter der Proteine fest und lieferte dadurch wichtige experimentelle Daten für die Proteinchemie. Im Schuljahr 1912/13 führte István Rusznyák, Arzt, klinischer Praktikant, der spätere Professor, einer der ehemaligen Präsidenten der MTA (Ungarische Akademie der Wissenschaften) selbständige wissenschaftliche Untersuchungen durch.
Bugarszky wurde 1913 zum Extraordinarius i.R. am Lehrstuhl für Chemie der Budapester Universität der Wissenschaften ernannt, den er 25 Jahre lang leitete, und trat 1938 in den Ruhestand.
Als sein Nachfolger wurde László Rhorer (1874-1937) außerordentlicher Professor i.R. mit der provisorischen Leitung des Lehrstuhls für Chemie beauftragt.