Vorstellung

Letzte Änderung: 07.04.2017 13:56

Einführung
 

Die Veterinärmedizinische Universität in Budapest ist Ungarns einzige Hochschuleinrichtung, wo Tierärzte ausgebildet werden. Sie ist dem Ministerium für Bildung und Kultur unterstellt und wird von ihm finanziert. An der Fakultät gibt es Primär-Studiengänge in den Fächern Veterinärmedizin, Biologie und angewandte Zoologie. Die Studierenden mit Hochschulabschluss können in der Doktorandenschule/Graduiertenkolleg einen wissenschaftlichen Grad erwerben.  An der Fakultät werden Tierärzte seit zwei Jahrhunderten ununterbrochen ausgebildet, seit unser Institut, eins unter den ersten auf der Welt, gegründet wurde.

Das Gebiet von Ungarn ist für Tierzucht wegen den geographischen Gegebenheiten ausgesprochen geeignet, deswegen wurden sowohl lebendige Tiere als auch tierische Produkte seit eh und je in größeren Mengen produziert und exportiert. Seit dem späten Mittelalter wurden riesige Rindherden und andere lebende Tiere nach Wien, Nürnberg, München und in die Provinzen Norditaliens getrieben, wo es überall eine große Nachfrage nach ungarischen Tieren, vor allem nach Pferden und Rindern gab. Die mehrere Wochen andauernde Wanderung war sowohl für die Tiere als auch die diese treibenden Viehhirte anstrengend. Die Viehhirten wussten, wo sie unterwegs frische Wiesen und Wasser für ihre Tiere finden. Die Viehhirten waren gleichzeitig geübte Kämpfer, denn sie mussten ja ihre Tiere (bzw. auf dem Rückweg ihr Geld) gegen Wegelagerer verteidigen. Diese Form des Handels blühte bis zum 16. Jahrhundert, wo das expandierende osmanische Reich das Territorium des Ungarischen Königreichs für 150 Jahre in ein Schlachtfeld verwandelte.

Nachdem die Türken vertrieben worden waren, lag das Land in Trümmern. Ungarn wurde Ende des 17. Jahrhunderts Teil der Habsburger-Monarchie. Der Handel wurde auf den alten Routen neu aufgenommen. In diesem Zeitraum brauchte aber auch das Reichsheer Tiere und die kampferprobten Hirten: das Fleisch zur Verpflegung der Truppen, außerdem Pferde und Reiter, die später den Kern der als Husaren berühmt gewordenen ungarischen leichten Kavallerie bildeten. Die aufgeklärten Herrscher des Reiches erkannten, dass deswegen die entsprechende Infrastruktur dort ausgebaut werden musste, wo das Fleisch, das Getreide sowie die guten Pferde und Reiter herkommen, nämlich in Ungarn selbst. Als Ergebnis dieser Erkenntnis wurde die Bildung in ganzem Land gefördert. Neue Universitäten wurden gegründet und 1782 beschloss Kaiser Josef II., eine Schule für Tierärzte in Budapest zu errichten.

Bejarat

Geschichte der Fakultät

Anfang

Die Wurzeln der Einrichtung reichen bis 1787 zurück, als der erste Lehrstuhl für Veterinärmedizin an der Medizinischen Fakultät der Pester Universität gegründet wurde, 25 Jahre nach der Errichtung der ersten Schule für Tierärzte auf der Welt. Dank der Tätigkeit von Sándor Tolnay wurden die ersten Lehrmaterialien, anatomischen Präparate fertiggestellt und die ersten Lehrer ausgebildet.

Vergangenheit

Dank Sándor Tolnay und seinen Nachfolgern entwickelte sich das Institut ununterbrochen, und trennte sich 1851 unter dem Namen „Königliches Institut für Veterinärmedizin“ von der medizinischen Fakultät. Der Name wurde bald in „Ungarische Königliche Akademie für Veterinärmedizin“, und 1899 in „Ungarische Königliche Hochschule für Veterinärmedizin“ geändert. Die Hochschule erhielt das Recht, ihren Absolventen ein Tierarzt-Diplom auszustellen. 1934 wurde in Budapest eine neue Technische und Wirtschaftliche Universität gegründet, in welche die Hochschule als eine Abteilung integriert wurde. Nach 1945 wurde sie für kurze Zeit zu Fakultät der Ungarischen Agrarwissenschaftlichen Universität, dann erhielt 1952 sie den Status einer selbstständigen Hochschule zurück, worauf sie – in Anerkennung ihrer Verdienste für Bildung und Forschung – in den Rang einer Universität erhoben wurde. Unsere Einrichtung arbeitet seit dem 01. Januar 2000 als Fakultät für Veterinärmedizin der Sankt-Stephan-Universität. Diese Einrichtung folgte trotz der verschiedenen Namen und Organisationsformen die ganze Zeit ununterbrochen ihrer Berufung, nämlich Tierärzte auszubilden, die auf jedem Gebiet dieses Berufs ihren Mann stehen. Die Aufgabe der ersten hundert Jahre bestand darin, die Grundlagen für die einheimische Hochschulbildung der Tierärzte auf der Grundlage internationaler Erfahrungen aufzubauen und dabei das vollständige Lehrmaterial in ungarischer Sprache zu erarbeiten. In den zweiten hundert Jahren hatte unser Institut solche Lehrer, die auch auf die Veterinärmedizin der Welt einen erheblichen Einfluss ausübten. Das erste umfassende veterinärmedizinische Lehrbuch haben die Professoren der Einrichtung Marek und Hutyra geschrieben, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf der ganzen Welt zur Grundlage der veterinärmedizinischen Wissenschaften wurde. Zahlreiche neu bearbeitete Auslagen des Buchs wurden in jede verbreitete Sprache der Welt übersetzt und die Tätigkeit der ungarischen Lehrer anerkannt, unabhängig vom aktuellen Namen und Status der Einrichtung.  Die Forschungen von Marek, Aujeszky und Bartha brachten die Veterinärmedizin auf der ganzen Welt vorwärts. Das andere Merkmal der Kontinuität ist der historische Campus. Die Schule zog zwischen 1871 und 1881 an ihren jetzigen Ort. Die damals errichteten Gebäude dienen auch noch heute der Veterinärmedizin. An die historischen Gebäude wurde in den 70er Jahren eine moderne Gebäudeflucht angebaut.

Gegenwart

Die politischen und wirtschaftlichen Änderungen der 90er Jahre wirkten sich auch auf den Unterricht der Veterinärmedizin aus. Als Ergebnis der Privatisierung gibt es in Ungarn heute sowohl kleine landwirtschaftliche Klein- als auch Großproduzenten. Die Tierärzte müssen heutzutage über entsprechende Kenntnisse verfügen, um den Ansprüchen der Groß- ebenso wie denen der Kleinproduzenten entsprechen zu können.  In den Städten nimmt die Zahl der Kleintiere (Hunde, Katzen) rasant zu, darüber hinaus gibt es auch spezielle veterinärmedizinische Aufgaben (z. B. Rennpferde oder exotische Tiere). Die Lebensmittelsicherheit, die Qualitätskontrolle der Lebensmittel wird immer wichtiger, diese Aufgabe fällt ebenfalls den Tierärzten zu. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, wurde sowohl das Lehrmaterial als auch die Struktur des Campus umgestaltet.  Seit 1989 werden neben den jährlich ca. 100 ungarischen Studenten der Veterinärmedizin auch ausländische Studenten unterrichtet. Der vollständige Studiengang kann von unseren Studenten mit englischen Sprachkenntnissen absolviert werden bzw. die Grundausbildung von 2 Jahren bieten wir auch auf Deutsch an. Nach deren Abschluss können die Studenten ihre Studien in englischer Sprache fortsetzen.  Zur Zeit nehmen mehr als 650 ausländische Studenten aus zahlreichen Ländern der Welt an unseren Vorlesungen teil. Wir haben die Bedeutung des Schutzes der lebendigen Umwelt erkannt und auch das Fach Zoologe eingeführt, das nach der Umgestaltung der Hochschulbildung als BSc- und MSc-Studiengang weitergeführt wird. Um auch international real bewertet werden zu können, war die Akkreditierung des Europäischen Verbands der veterinärmedizinischen Ausbildungsstätten  (E.A.E.V.E.) notwendig, welche 1995 mit positivem Ergebnis abgeschlossen wurde. Der Bericht stellt fest:

„...Die Universität für Veterinärmedizin in Budapest kann stolz ihren Platz unter den europäischen Partnerinstituten einnehmen. Die Absolventen der Universität können sowohl in theoretischem als auch in praktischem Wissen mit ihren ausländischen Kollegen mithalten.“

Die Fakultät wurde 2014 von der EAEVE erneut erfolgreich akkreditiert.

Die veterinärmedizinische Fakultät in Budapest wurde infolge des reichen Erbes und der permanenten Anstrengungen sich weiterzuentwickeln zu einer dreisprachigen, international anerkannten Einrichtung.   Unsere neue Zielsetzung ist die Antwort auf den wachsenden Anspruch der Gesellschaft, dass sich Tierärzte nicht nur an der Heilung und Erhaltung der Gesundheit, sondern auch an der Erhaltung unserer lebenden natürlichen Umgebung sachkundig und aktiv beteiligen sollen.

Der Campus wurde 1881 am Rande einer Stadt mit 300 000 Einwohnern erbaut. Budapest hat sich seitdem äußerst stark verändert, und wegen dieser räumlichen Entwicklung befindet sich der damalige Außenbezirk inmitten der Stadt. Es ist für uns einerseits vorteilhaft, da wegen der zentralen Lage viele Patienten die Kliniken besuchen, auf diese Weise ergibt sich während der Ausbildung die Möglichkeit zur Darstellung von Fällen und Praktika in der Klinik für Kleintiere. Andererseits sinkt die Zahl der Großtiere, da es immer schwieriger wird, kranke Tiere im großstädtischen Verkehr zu transportieren.  Auch nach humanmedizinischen Gesichtspunkten ist die Heilung von Großtieren an dieser Außenstelle nicht gerade ein glücklicher Umstand. Deswegen haben wir die neue Klinik für Großtiere in Üllő, in einer idealen Umgebung außerhalb der Stadt eröffnet. Am historischen Ort blieben die Verwaltung und die sich mit theoretischer Bildung und Forschung beschäftigenden Einheiten, des Weiteren die Klinik für Kleintiere. In der an den neuen Ort umgezogenen Klinik für Großtiere haben die Studenten wieder mehr die Möglichkeit, Erfahrungen und Praxis auf diesem Gebiet zu erwerben. Beide Außenstellen sind in gleicher Weise mit modernen diagnostischen und der Heilung dienenden medizinischen Instrumenten ausgestattet, um das Niveau unserer Bildung und Forschung weiterentwickeln zu können.

Gebiet der Fakultät

Gebäude an der István Straße

Wenn wir die zweckmäßig geplanten wunderschönen neugotischen Gebäude des Parlaments und der Fakultät vergleichen, stellen wir überrascht fest, dass beide das Werk von Imre Steindl, dem berühmten Architekten, sind.  Wenn wir die Gebäude näher betrachten, sehen wir, dass aus den Werken der Architekten des 19. Jahrhunderts die meisterhafte Arbeit der Handwerker nicht weggedacht werden kann. Die moderat verzierten Gebäude haben alle ihren eigenen Charakter, repräsentativ für die Universitätsgebäude der Epoche. Deswegen stehen die Gebäude der Fakultät auch unter Denkmalschutz.

 Campus28
 

Der Park und der Bulle

Unter großen Blockhäusern und zwischen verkehrsreichen Straßen in einem der am dichtesten bebauten Bezirke ist der Park der Fakultät eine richtige Oase mit seinen alten Bäumen, grünen Büschen und farbenfrohen Blumenbeeten. Der Park ist von einem Eisenzaun umgeben, dessen Pfeiler sich ebenfalls dem Stil der Gebäude anpassen - 37 unter ihnen sind mit Gusseisen-Tierköpfen geschmückt. Am Eingang steht die Skulptur eines alteingesessenen ungarischen Graurindes, das nur noch in Nationalparks zu finden ist. Der Skulptur stellt den berühmten Bullen Csatlós (Schildträger auf Ungarisch) in Lebensgröße dar, der einst der Stolz seines Besitzers war und Dutzende von Medaillen auf Ausstellungen gewann. Heute ist die Skulptur sogar eins der Wahrzeichen der Fakultät.

 Bika301   

Alte Gebäude

Alle Gebäude sind Backstein-Gebäude, was damals typisch für Schulgebäude war. Jedes Gebäude ist unter den Dachtraufen mit Renaissance Zsolnay Keramikstreifen geschmückt. Leider zerstörten der II. Weltkrieg und die fahrlässigke Wartung später viele Elemente, deswegen ist der Original-Schmuckstreifen nur auf einem Teil der Gebäude zu sehen. Zum Glück sind jedoch viele ebenfalls aus der Zsolnay Fabrik stammende Schmuckelemente auf dem Campus-Gebiet unversehrt erhalten geblieben. 

Das alte Zentralgebäude (zurzeit die Zentralbibliothek) beherbergte ursprünglich den großen Saal und die Privatwohnung des Rektoren. Das Gebäude ist von den Gebäudeeinheiten für Anatomie und pathologische Anatomie, außerdem von denen für Physiologie und Chemie umgeben. Das so gebildete Rechteck, der schönste Teil des Parks, wird an der vierten Seite vom Gebäude der Inneren Medizin abgegrenzt. Wenn wir weiterspazieren, stoßen wir in der Nähe auf die Gebäude für Pharmakologie und Chirurgie. Das letztere empfing als erstes Patienten. Von den alten Gebäuden blieben die Bibliothek und das Gebäude für Innere Medizin in ihrer ursprünglichen Form erhalten, die anderen wurden um neue Trakten oder Stockwerken erweitert.  Jeder Umbau erfolgte unter der Aufsicht des Denkmalschutzamts, um den einheitlichen Stil zu bewahren. Anstelle des Stalls der einstigen Großtierklinik, in einer Umgebung voller Baudenkmäler haben wir eine Klinik für Kleintiere eröffnet, die auch den höchsten Ansprüchen gerecht wird. 

Kovats Jeno Szobor

Neue Gebäude

Wegen der Erweiterung und internen Modernisierung waren die alten Gebäude nicht mehr imstande, die wachsende Zahl der Studenten, Mitarbeiter und Einrichtungen aufzunehmen, deswegen wurde 1976 ein neuer Komplex am nord-östlichen Rand des Campus gebaut (Architekt: László Elekes). Der neue Komplex umfasst die Zentralverwaltung, drei Kliniken und Lehrstühle, den großen Saal, wo 500 Personen Platz nehmen können, den Turnsaal, das Restaurant und die Werkstätten. Die Architekten folgten den Traditionen der Vorgänger aus dem 19. Jahrhundert. Zum Beispiel sind die Wände des großen Saals, des Dekanats und der zwei Konferenzräume mit Holztäfelung verkleidet. Die Wände des Restaurants sind mit Reliefs geschmückt. Der Boden in der Vorhalle, im großen Saal und im Treppenhaus des zentralen Gebäudes ist mit rotem Marmor aus dem Donauknie ausgelegt. Dieses Material wird in der einheimischen Architektur seit 1000 Jahren verwendet.

Außenstellen

Der zentrale Standort kann trotz dieses voluminösen Ausbaus nicht jeden Lehrstuhl aufnehmen, von denen mehrere wegen der rasanten Entwicklung der Veterinärmedizin gegründet werden mussten. Die Lehrstühle für Epidemiologie und Mikrobiologie haben separate Orte erhalten, da beide auch mit infizierenden Stoffen in den Labors arbeiten.

Das Zoologische Institut und zwei weitere Lehrstühle befinden sich in einem schönen alten Gebäude in der Nähe des zentralen Standorts in der Rottenbiller Straße.

Die am weitesten entfernte Außenstelle befindet sich in Üllő, 30 km von der Stadt entfernt, auf einem Gebiet von 1300 ha.  Die Umgebung ist eine typische Landschaft der großen Tiefebene, auf diese Weise lernen die Studenten gleich die landwirtschaftlich geprägte Umwelt von einem Großteil des Landes kennen. Das Zentralbüro befindet sich in einem alten Herrenhaus, des Weiteren sind hier das Reservat für alte ungarische Tierarten, Pferdeställe mit einer Reitschule und ein Hippodrom, außerdem die neue Klinik für Großtiere.  Das Gebäude von beeindruckendem Äußeren wurde von Imre Makovecz entworfen, dem führenden Vertreter der zeitgenössischen ungarischen Architektur.

Ullo

Studentenwohnheim

Einige Trolleybushaltestellen entfernt gehört ein modernes Studentenwohnheim mit 300 Betten der Fakultät.